Das Akkordeon steht 2026 als Instrument des Jahres im Mittelpunkt zahlreicher Konzerte und Veranstaltungen. Dabei entstehen Projekte, die weit über das übliche Konzertgeschehen hinausgehen und neue Zielgruppen ansprechen. Auch in dieser Ausgabe möchten wir anhand zweier Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Möglichkeiten genutzt werden: ein internationales Begegnungskonzert in Hamburg und ein Auftritt im Rahmen der Ludwigsburger Schlossfestspiele.
Musikalischer Brückenschlag zwischen Deutschland und Großbritannien
Vier Jahre Planung, zwei renommierte Akkordeonorchester und ein gemeinsames Ziel: Mit „Bellows Across Borders – Ein deutsch-britisches Akkordeonkonzert der Extraklasse“ entsteht am 31. Oktober 2026 in der Hamburger Laeiszhalle ein Projekt, das die internationale Vernetzung der Akkordeonszene sichtbar macht.
Beteiligt sind das Akkordeonorchester der Musikschule Elmshorn unter der Leitung von Susanne Drdack sowie das London Accordion Orchestra unter der Leitung des Konzertakkordeonisten und Komponisten Ian Watson. Unterstützt werden die beiden Ensembles vom Kinder- und Jugendchor der Liedertafel Elmshorn. Die Mitwirkenden reichen dabei von sechs bis 80 Jahren und spiegeln die generationenübergreifende Arbeit wider, die viele Akkordeonvereine und -orchester prägt.
Die Idee für das Projekt entstand bereits vor mehreren Jahren. Schon seit etwa vier Jahren planten die beiden Orchester ein gemeinsames Konzert in Deutschland. Den entscheidenden Impuls zur Umsetzung lieferte schließlich das Jahr des Akkordeons 2026, das zugleich in den Kontext der deutsch-britischen Freundschaft gestellt wird. Daraus entwickelte sich ein Konzertprojekt, das die Zusammenarbeit zweier bedeutender Ensembles der europäischen Akkordeonszene in den Mittelpunkt stellt.
Das Akkordeonorchester der Musikschule Elmshorn besteht seit 1980 und hat sich durch zahlreiche nationale und internationale Erfolge einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Das London Accordion Orchestra zählt zu den führenden Akkordeonorchestern Großbritanniens und ist für innovative Programme sowie Auftritte an bedeutenden Spielstätten in Europa bekannt. Mit dem Konzert in der Laeiszhalle präsentieren beide Klangkörper erstmals eine gemeinsame Konzertreihe.
Musikalisch soll die ganze Bandbreite des Instruments hörbar werden. Geplant sind zeitgenössische Werke für Akkordeonorchester ebenso wie klassische und populäre Stücke in Bearbeitungen für diese Besetzung. Hinzu kommen Eigenkompositionen von Ian Watson. Das Repertoire verbindet unterschiedliche Stilrichtungen und Klangwelten und soll bewusst zeigen, wie vielseitig das Akkordeon heute eingesetzt werden kann. Im Mittelpunkt steht dabei stets das Zusammenspiel im Orchester. Einen besonderen Abschluss bildet das gemeinsame Finale von beiden Orchestern und dem Kinder- und Jugendchor auf der Bühne.
Die lange Vorbereitungszeit erklärt sich nicht nur durch die Planung eines Konzerts im Großen Saal der Laeiszhalle. Auch die Abstimmung zahlreicher Beteiligter, die Organisation der Reise des London Accordion Orchestra und der Transport der Instrumente erfordern einen erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand. Dennoch ist die Resonanz bereits in der Vorbereitungsphase positiv. Nach Angaben der Organisatoren wurden bereits viele Karten verkauft. Die Beteiligten hoffen auf einen ausverkauften Saal und darauf, das Akkordeon einem breiten Publikum als vielseitiges Konzert- und Ensembleinstrument präsentieren zu können.
Mehr Informationen zum Projekt gibt’s unter https://www.elbphilharmonie.de/de/programm/bellows-across-borders/24230
Erstmals Akkordeon bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen
Ein besonderes Zeichen für die öffentliche Wahrnehmung des Akkordeons setzt auch die Harmonika-Gemeinschaft Ludwigsburg. Ihr 1. Orchester gestaltet am 30. Juli 2026 ein Open-Air-Konzert am Seeschloss Monrepos im Rahmen der renommierten Ludwigsburger Schlossfestspiele.
Für die Musikerinnen und Musiker besitzt der Auftritt eine besondere Bedeutung. Noch nie zuvor war ein Akkordeonorchester Teil des Programms der traditionsreichen Schlossfestspiele. Die Anfrage kam bereits im September 2025 direkt vom Intendanten Lucas Reuter, der in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf das Akkordeon als Instrument des Jahres 2026 Bezug nahm. Nach einem gemeinsamen Ortstermin im Frühjahr 2026 wurden die organisatorischen Details für das Konzert abgestimmt.
Der Auftritt findet vor der Kulisse des Rokokoschlösschens Monrepos statt. Die Schlossfestspiele haben ihr Open-Air-Konzept zuletzt verändert: An die Stelle eines großen Konzerts mit bis zu 5.000 Besucherinnen und Besuchern tritt inzwischen eine Reihe kleinerer Veranstaltungen an verschiedenen Tagen. Das Konzert der Harmonika-Gemeinschaft Ludwigsburg ist Teil dieser Reihe und stellt das Akkordeon ausdrücklich in den Mittelpunkt.
Unter der Leitung von Ute Matt präsentiert das 27-köpfige Orchester ein Programm, das die stilistische Vielfalt des Instruments zeigen soll. Auf dem Programm stehen Werke von Georges Bizet und Karl Jenkins ebenso wie Filmmusiken von John Williams und Hans Zimmer. Hinzu kommen Musicalmelodien aus „Cats“ von Andrew Lloyd Webber sowie Originalmusik für Akkordeonorchester. Die Verantwortlichen möchten damit bewusst verdeutlichen, dass das Akkordeon in ganz unterschiedlichen musikalischen Genres zuhause ist und weit mehr Möglichkeiten bietet, als ihm häufig zugeschrieben werden.
Ein besonderer Programmpunkt ist die Mitwirkung der Mundharmonikasolistin Brigitte Burgbacher. Die frühere Weltmeisterin wird bei mehreren Werken vom Orchester begleitet, darunter „Impressions“, „Il Postino“ und „Madagascar“. Auch dadurch erhält das Konzert zusätzliche klangliche Facetten.
Die Spielerinnen und Spieler des Orchesters im Alter zwischen 24 und 76 Jahren sehen in dem Auftritt vor allem die Chance, das Akkordeon einem Publikum vorzustellen, das möglicherweise bislang nur wenig Berührung mit dem Instrument hatte. Für den Verein sei es eine besondere Ehre gewesen, für dieses Konzert angefragt worden zu sein. Die Organisatoren der Schlossfestspiele rechnen mit mehreren Hundert Besucherinnen und Besuchern. Sollte das Wetter nicht mitspielen, kann die Veranstaltung ins Innere des Seeschlosses verlegt werden.
Die Verantwortlichen der Harmonika-Gemeinschaft verbinden mit dem Jahr des Akkordeons die Hoffnung, dass das Instrument noch stärker als vielseitiges Konzertinstrument wahrgenommen wird. Aus ihrer Sicht bietet das Themenjahr die Chance, die klangliche Vielfalt und die dynamischen Möglichkeiten des Akkordeons sichtbar zu machen und alte Klischees hinter sich zu lassen. Mehr Informationen zum Projekt gibt’s unter https://schlossfestspiele.de/veranstaltungen/park-musik-iv/
Gemeinsam für mehr Sichtbarkeit
Beide Projekte könnten unterschiedlicher kaum sein: Hier ein internationales Konzertprojekt in einer der bekanntesten Konzerthallen Deutschlands, dort ein Open-Air-Auftritt im Rahmen eines traditionsreichen Festivals. Gemeinsam ist ihnen jedoch das Ziel, das Akkordeon einem breiten Publikum zu präsentieren und seine musikalische Vielfalt erlebbar zu machen. Genau darin liegt eine der großen Chancen des Jahres des Akkordeons 2026.
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