SCHWABACH – Akkordeonmusik auf hohem Niveau und so mitreißend, wie im Markgrafensaal von rund 30 Instrumentalisten präsentiert, gereichte wahrlich zur Ehre des Akkordeons als Instrument des Jahres 2026. Möglich wurde dies durch das von der Stadt Schwabach mit dem Kulturamt geförderte Projekt „Aus zwei mach eins“. Das Akkordeon-Ensemble Balgverschluss mit Valéry Lapko als Dirigent und das Akkordeon-Orchester Roßtal mit seinem Chef Christian Kaiser boten gemeinsam ein großartiges Musikerlebnis.
Die ca. 400 Besucherinnen und Besucher im Markgrafensaal erlebten einen imposanten, abwechslungsreich gestalteten und temporeichen Konzertnachmittag im Zeichen dieses wandelbar klingenden Tasteninstruments. Stimmungsvoll erhoben sich dazu eingangs die noch betont langsam gesetzten majestätischen Pianissimo-Töne vom vierten Satz der bekannten Peer-Gynt-Suite unter der Überschrift „In der Halle des Bergkönigs“. In fließender Weise aber entwickelte sich eine bewundernswerte nahtlose Steigerung des Tempos sowie der Dynamik bis zum dramatischen Fortissimo.
Bereits hier ließen allein die über 25 Akkordeon-Musikerinnen und Musiker ihre Akkuratesse in der präzisen technischen Ausführung erkennen, die Valéry Lapko in seiner lebendigen und mit viel Übersicht geführten Konzertleitung auch einforderte. Welch ein Auftakt! Dieses musikalische Niveau wurde von allen Interpreten auf der vollbesetzten Bühne bis zu den Zugaben konstant eingehalten, obwohl das Programm mit zehn großen Kompositionen sehr anspruchsvoll und musikalisch variantenreich zusammengestellt war. Wohlbedacht stets auf Schwung oder auch auf Power, wie dies bei modernen Stücken wie „I will survive“ oder bei John Miles wunderbarer Hymne „Music“ eben nötig ist.
Zugleich vermochten diese Stücke eine besondere ergänzende Klangwirkung entfalten dank der perfekt mitwirkenden Musiker wie dem professionellen Gitarristen Andreas Werner, dem jungen, talentierten Perkussionisten Henry Fischer am Schlagzeug, dem Pianisten Alberto Diaz Castillo sowie Pawel Czubatka am Vibraphon und am Schlagwerk, der seit 15 Jahren das Schwabacher Akkordeon-Orchester musikalisch begleitet. So wurde die Interpretation von Freddie Mercurys „Bohemian Rhapsody“ durch das große Orchester zu einem Hammer-Klangerlebnis, das dem Original schon sehr nahe kam und mit riesigem Beifall des Publikums belohnt wurde.
Ebenso gekonnt, mit der nötigen Spannung im Ausdruck, gelangte die Titelmelodie des berühmten Western „Die glorreichen Sieben“ zu Gehör. Darüber hinaus sah das Programm weitere Werke vor, die wie „Opus One“ das Akkordeon von seiner jazzig-swingenden Seite der 1940er Jahre zeigte. Die Informationen dazu erhielten die Besucher durch die bewährte, redegewandte Moderatorin Julia Ratzmann, die gewohnt charmant durch diese Veranstaltung zu führen wusste.
Dass bei einem solchen Konzert eine Bearbeitung des renommierten Akkordeonmusikers Rudolf Würthner nicht fehlen durfte, war selbstverständlich. Von diesem genialen Komponisten, der zahlreiche Bearbeitungen für dieses Instrument bis zu seinem Tod 1974 verfasst hat, erklangen aus der „London Suite“ von Eric Coates drei Sätze, die musikalisch mal mit Tarantella-Rhythmik, mal getragen im Glockenklang schließlich im Stil eines Marsches, drei Londoner Stadtteile skizzierten. Dass dieses Orchester nicht nur temporeich zu agieren vermag, sondern sich auch gefühlsbetont in regem Wechsel von Rhythmik und Dynamik bewegen kann, stellte es beim „Concerto d’Amore“ von Jacob de Haan unter Beweis.
Bevor dieser beeindruckende Konzertnachmittag mit dem Parade-Stück für Akkordeon, dem Libertango von Astor Piazzolla, bestechend abgerundet wurde, stellte Julia Ratzmann den mehrfach preisgekrönten Pawel Czubata am Vibraphon und Alberto Diaz Castillo am Klavier, der seit vier Jahren als Dozent beim Jazz-Workshop Erlangen tätig ist, mit zwei Solo-Stücken näher vor. Perfekt aufeinander eingestimmt erlebte man das Duo bei einer raffinierten, jazzig-swingenden Komposition als auch bei einer schwungvollen Samba als Gruß an die Ehefrauen der Musiker. Am Ende würdigte das Publikum diese herausragende und anspruchsvolle Akkordeon-Orchestermusik mit einem langanhaltenden, riesigen Sturm der Begeisterung, dem mit zwei großartigen Zugaben musikalisch gedankt wurde.
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