Es gibt Abende, die man als Vorstand eines Vereins organisiert – und es gibt Abende, die einen selbst mitreißen, obwohl man doch eigentlich den Überblick behalten sollte. Unser Kreistreffen der Akkordeonorchester im Landkreis Tuttlingen am 25. Juli in der Ostbaarhalle Seitingen-Oberflacht war ganz klar Letzteres. Publikum und alle Mitwirkenden sind immer noch begeistert.
Die Idee dazu ist eigentlich ganz unspektakulär entstanden. Das Akkordeon wurde von der Konferenz der Landesmusikräte zum Instrument des Jahres 2026 gekürt – und eines Abens saßen unser Dirigent Mario Nortmann und ich noch kurz zusammen und sagten uns: Das müssten wir doch eigentlich groß feiern. Aus diesem einen Satz wurde binnen weniger Wochen ein handfestes Konzept für ein Kreistreffen. Wir haben befreundete Vereine angefragt und die Zusagen kamen begeistert zurück: der Akkordeon-Verein „Junge Donau“ Immendingen 1936, der Harmonikaverein „Edelweiß“ Wurmlingen, das Akkordeon-Orchester „Oberes Donautal“ Mühlheim, die Akkordeon-Freunde Tuttlingen und der HandHarmonika-Club „Frohsinn“ Deilingen-Delkofen. Die Idee hatte sie angesteckt. Trotz vieler anstehender Termine für die Vereine wollten alle dabei sein.
Am 25. Juli war es dann so weit. Die Ostbaarhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt, und insgesamt 87 Musizierende aus sechs Orchestern zeigten, was das Akkordeon alles kann. Genau diese Vielseitigkeit wollten wir zeigen und das „Quetschkommoden“-Image aufbrechen – und an diesem Abend ist es uns, glaube ich, eindrucksvoll gelungen.
Wie breit das Spektrum an diesem Abend war, zeigte schon eine kleine Auswahl der gespielten Stücke: vom Pop-Klassiker „Let Me Entertain You“ über die traditionelle „Highland Cathedral“ und Ennio-Morricone-Filmmusik bis hin zu Latin-Rhythmen wie „Danza Kuduro“ und der Star-Wars-„Cantina Band“ war für jeden Musikgeschmack etwas dabei.
Den emotionalen Höhepunkt bildete eben dieses gemeinsame Finale, bei dem alle sechs Orchester zusammen auf der Bühne standen. Wenn 87 Musiker gleichzeitig „Viva la Vida“ erklingen lassen und die ganze Halle mitgeht, spürt man förmlich, wie viel Kraft in diesem Instrument steckt. Für uns fühlte sich dieser Moment an wie ein großes Familientreffen der Akkordeonorchester – über Vereinsgrenzen hinweg vereint durch die gemeinsame Leidenschaft für die Musik.
Im Rahmen des Abends konnten wir zudem verdiente Mitglieder unseres Vereins ehren: Ralf Sulzmann für zehn Jahre Vorstandstätigkeit, Heike Höger für zwanzig Jahre und Sibylle Bauer für vierzig Jahre aktive Mitgliedschaft im Harmonika-Club Seitingen-Oberflacht. Auch dieser Programmpunkt zeigte, wie sehr das Akkordeon Menschen über Jahrzehnte hinweg verbinden kann.
Ein Abend wie dieser lebt von vielen helfenden Händen. Unser herzlicher Dank gilt allen, die bei Planung, Auf- und Abbau, an der Theke und hinter den Kulissen mitgeholfen haben. Ein wahrer Kraftakt für unseren Club, aber es hat sich gelohnt. Was mich uns als Vorstand besonders stolz macht: Unsere eigenen Vereinsmitglieder vom Harmonika-Club Seitingen-Oberflacht haben diesen ganzen „Wahnsinn“ nicht nur mitgetragen, sondern mit vollem Einsatz mitgestaltet – von der ersten Terminabsprache bis zum letzten Handgriff beim Abbau. Ohne diesen Einsatz wäre ein Abend dieser Größenordnung schlicht nicht möglich gewesen. Ebenso danken wir den mitwirkenden Orchestern für ihre Zusagen und ihr Können – und natürlich unserem wunderbaren Publikum, das mit seiner Begeisterung den Abend erst zu dem gemacht hat, was er war. Noch Tage später erreichen uns Rückmeldungen von Teilnehmenden, die immer noch von diesem besonderen Abend schwärmen.
Für uns als Harmonika-Club Seitingen-Oberflacht war dieses Kreistreffen ein wunderbarer Baustein im „Jahr des Akkordeons“ – und ein Beweis dafür, dass unser Instrument längst mehr ist als ein Begleitinstrument. Es war das erste Kreistreffen seit 30 Jahren – und wir hoffen, dass wir nicht wieder so lange auf das nächste warten müssen. Wir freuen uns schon jetzt auf die kommenden Auftritte und darauf, die Begeisterung für das Akkordeon weiter in die Region zu tragen.
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