Die DHV-Innovationswerkstatt „Gemeinsam Zukunft gestalten 2.0“ greift bestehende Ansätze auf und zeigt, wie durch Beteiligung, Erfahrung und Engagement praxisnahe Lösungen für die Zukunft von Vereinen und Orchestern entstehen.
Zukunft entsteht nicht von allein. Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, neue Wege zu denken, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam ins Handeln zu kommen. Genau das war das Ziel der Innovationswerkstatt 2025 des Deutschen Harmonika Verbandes. Was beim DHV-Kongress 2023 seinen Anfang nahm, wurde in den darauffolgenden Jahren konsequent weiterentwickelt und im vergangenen Jahr umgesetzt. Aus ersten Ideen wurden konkrete Ziele, aus Zielen Arbeitspakete und aus gemeinsamer Arbeit praxisnahe Lösungen für die Vereine und Orchester des Deutschen Harmonika-Verbandes. Von Beginn an stand eine Vision im Mittelpunkt: Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus allen Verbands- und Vereinsebenen sollten neue Ansätze und konkrete Hilfestellungen für die Mitglieder des DHV entstehen. Dabei ging es nicht nur darum, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren, sondern auch darum, herauszufinden, wie der Verband seine Vereine und Orchester künftig noch besser unterstützen kann
Ein Kongress als Ausgangspunkt
Als der Deutsche Harmonika-Verband e.V. im April 2023 den DHV-Kongress unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten“ veranstaltete, war den Verantwortlichen klar, dass dies der Beginn für ein zukunftsweisendes Projekt sein sollte. Rund 80 aktive Kulturschaffende aus der Akkordeon- und Harmonikaszene aus ganz Deutschland kamen dabei zusammen. Dabei beschäftigen sich die Orchestermusikerinnen und -musiker, Jugendleiterinnen und Jugendleiter, Dirigierende, Lehrkräfte und Verbandsmitglieder mit einer zentralen Frage: Wie können Amateurmusikvereine auch in Zukunft erfolgreich und zukunftsfähig arbeiten?
Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die Herausforderungen, die viele Vereine nach den Jahren der Pandemie teilweise bis heute beschäftigen: Nachwuchsgewinnung, Mitgliederbindung, ehrenamtliches Engagement, Findung von Dirigierenden und Lehrkräften, zeitgemäße Vereinsarbeit, Bildung sowie die Frage, wie Vereine auch in Zukunft erfolgreich sein können. In verschiedenen Workshops entstanden zahlreiche Ideen, Wünsche und konkrete Ansätze, die aber nicht wie so oft in der Schublade verschwinden, sondern in die Praxis überführt werden sollten. Das war die Geburtsstunde der „Innovationswerkstatt 2025 – Gemeinsam Zukunft gestalten 2.0“.
Von der Idee zur Umsetzung
In einem ersten Schritt wurden die beim Kongress dokumentierten Ergebnisse gesichtet, gebündelt, priorisiert und den verschiedenen Themenfeldern zugeordnet. Um die Informationen für die weitere Bearbeitung greifbarer zu machen, clusterten die Verantwortlichen die Informationen in große Arbeitsbereiche, die anschließend vertieft wurden. Daraus entstanden die drei folgenden Zukunfts-AGs, in welchen im Rahmen der Projektphase konkrete Lösungen für die Praxis diskutiert und entwickelt werden sollten.
- Zukunfts-AG 1: Kooperationen und Beteiligungsformate
In dieser Arbeitsgruppe (AG) ging es darum zu zeigen, dass Kooperationen eine Chance für die Vereinsarbeit bedeuten und man durch den nachhaltigen Aufbau von Beteiligungsformaten, Vereine und Orchester fit für die Zukunft machen kann. Konkret sollte sich die AG 1 mit neuen Ansätzen für Kooperationen und Beteiligungsformate beschäftigen und damit zeigen, wie aus einzelnen Vereinen, Institutionen und engagierten Menschen tragfähige Netzwerke entstehen.
- Zukunfts-AG 2: Bildung und Fortbildung
Auch in der Arbeit in und mit Vereinen ist es wichtig sich ständig weiterzuentwickeln bzw. sich weiterzubilden. Oft stellt sich hier aber die Frage: welche Bildungsangebote benötigen Vereine tatsächlich und wie können Vereinsverantwortliche für zukünftige Herausforderungen fit gemacht werden. Ziel der Arbeitsgruppe 2 war die Suche nach Wegen und Formaten, um Antworten auf die Herausforderungen der Vereinsarbeit und deren Beteiligten zu geben.
- Zukunfts-AG 3: Kommunikation, Marketing und Image
Was für Unternehmen gilt, kann für Vereine nicht falsch sein. Auch Vereine und Orchester sollten das Ziel haben starke Marken zu sein. So leisten viele bereits großartige Arbeit aber sprechen oft viel zu wenig darüber. Deswegen war es die Aufgabe der Arbeitsgruppe 3 zu klären wie Vereine und Orchester ihre Botschaften besser formulieren und nach außen tragen können, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen.
Nachdem man diese Vorarbeit geleistet hatte, konnte das eigentliche Projekt beginnen. Startschuss war eine bundesweite Ausschreibung Ende 2024 mit welcher der Deutsche Harmonika-Verband Menschen gewinnen wollte, die Lust hatten, sich einzubringen, neue Perspektiven einzunehmen und gemeinsam an konkreten Lösungen zu arbeiten. Die Resonanz war groß und es konnten sowohl Vereinsvorsitzende und Vereinsmitglieder, Verbandsvertreterinnen und -vertretern, als auch Musizierende, Komponierende, Profis und Amateure gewonnen werden.
Ein klarer Weg mit vier Schritten bis zum erfolgreichen Ergebnis
Eine Innovationswerkstatt lebt davon, dass am Ende nicht nur viele gute Ideen auf dem Tisch liegen. Das war auch hier der Fall. Deshalb wurde von Anfang großer Wert daraufgelegt, die vorhandene Zeit strukturiert zu nutzen. Geleitet wurde das Projekt von DHV-Projektreferent Joachim Zühlke, der eng mit der DHV-Geschäftsführung und einem eigens aus Experten und Kennern der Szene zusammengestellten Lenkungskreis zusammenarbeitete.
Zu Beginn bestimmte jede Arbeitsgruppe eine Leitfrage, die als Orientierung für die weitere Projektarbeit diente. Anschließend wurden die vorhandenen Ergebnisse des DHV-Kongresses gesichtet und aus Sicht der Teilnehmenden nochmals gewichtet. Dabei stellte man sich Fragen wie: Was ist besonders relevant für meinen Bereich? Welche Themen haben das größte Potenzial? Wo kann der DHV einen konkreten Mehrwert für seine Vereine schaffen? Auf dieser Grundlage definierten die Gruppen im Anschluss mit der SMART-Methode greifbare Ziele, aus welchen am Ende eines für die weitere Arbeit ausgewählt wurde.
Der letzte Schritt diente dazu, aus den anfänglichen Ansätzen und unter Berücksichtigung des Zieles etwas Greifbares in Form eines konkreten Arbeitspakets zu entwickeln. Dieses wurde innerhalb der Gruppe bearbeitet, diskutiert, weiterentwickelt und anschließend evaluiert. So entstand Schritt für Schritt aus einer zunächst vielleicht noch abstrakten Idee ein greifbares Ergebnis.
In mehr als 25 Online-Meetings, bei einem zweitägigen Präsenztreffen mit intensivem Workshop-Programm in Wiesbaden sowie in zahlreichen weiteren Abstimmungen und Gesprächen arbeiteten die drei Gruppen über ein Jahr hinweg an ihren Themen.
Neben zusätzlichen Terminen, Verantwortung und Arbeit erforderte dieser Prozess zusätzlich Geduld, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf andere Blickwinkel einzulassen. Doch genau diese unterschiedlichen Perspektiven waren ein wesentlicher Bestandteil der Innovationswerkstatt und einer der Garanten für ein erfolgreiches Projekt.
Dabei zeigte sich auch wieder eine besondere Stärke des Ehrenamts: Menschen bringen nicht nur ihre Zeit ein, sondern vor allem ihre Erfahrungen. Ein Vereinsvorstand betrachtet ein Thema anders als eine Lehrkraft. Ein Dirigent hat andere Erfahrungen als ein Jugendleiter. Und wer seit vielen Jahren im Verein aktiv ist, bringt wiederum eine andere Sichtweise mit als jemand, der neue Formen der Vereinsarbeit ausprobiert. Vielleicht liegt darin auch eine der wichtigsten Erkenntnisse des gesamten Projekts: Beteiligung funktioniert nicht, wenn Menschen lediglich gefragt werden, ob sie eine Idee gut finden.
Beteiligung ist mehr als Mitmachen
Beteiligung bedeutet, Menschen tatsächlich einzubeziehen. Ihnen Raum zu geben, ihre Erfahrungen einzubringen. Ihnen Verantwortung zu übertragen. Und ihnen auch zuzutrauen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Die DHV-Innovationswerkstatt hat genau diesen Gedanken aufgegriffen und die Beteiligten zu Mitgestalterinnen und Mitgestaltern des Projekts gemacht. Nach rund 14-monatiger Projektdauer endete die Innovationswerkstatt im Dezember 2025. Was bleibt, sind nicht nur die Erfahrungen der Beteiligten und zahlreiche Diskussionen. Vor allem sind konkrete, praxistaugliche Ergebnisse entstanden, die den Vereinen und Orchestern des DHV bei ihren aktuellen und zukünftigen Herausforderungen Unterstützung bieten. Zukunft lässt sich nicht delegieren und auch nicht allein gestalten. Sie entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen, zuhören, diskutieren, ausprobieren und Verantwortung übernehmen.
Ein besonderer Dank gilt den Teilnehmenden aber auch der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). Durch ihre finanzielle Förderung und die Bereitstellung von Mitteln hat die DSEE dieses Zukunftsprojekt überhaupt erst möglich gemacht und einen unschätzbaren Beitrag zur Stärkung der Amateurmusiklandschaft geleistet.
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