Das Akkordeon ist 2026 Instrument des Jahres – und für viele Vereine Anlass, besondere Ideen auf die Bühne zu bringen. Dabei geht es nicht nur darum, das Instrument stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, sondern auch darum zu zeigen, wie vielseitig es eingesetzt werden kann. Zwei Projekte aus Baden-Württemberg gehen dabei ganz unterschiedliche Wege: Während in Oberboihingen mehrere Generationen und Orchester gemeinsam musizieren, verwandeln die Harmonikafreunde Müllheim ihren Konzertabend in eine „Irische Nacht“.
Drei Vereine, eine Dirigentin, ein Großorchester
Drei Vereine, eine gemeinsame Dirigentin – warum also nicht auch einmal gemeinsam auf der Bühne stehen? Aus dieser Überlegung entstand bei der Harmonika- und Spielgemeinschaft Oberboihingen (HSG) die Idee zu einem besonderen Konzertprojekt im Jahr des Akkordeons. Nachdem sich die beteiligten Vereine im vergangenen Jahr gegenseitig bei Veranstaltungen besucht hatten, reifte der Entschluss, die Musikerinnen und Musiker zu einem Großorchester zusammenzubringen.
Beteiligt sind neben dem Orchester der HSG das Akkordeonorchester Deizisau und das Akkordeonorchester Schlaitdorf. Hinzu kommt ein Schülerprojektorchester mit Musikschülerinnen und Musikschülern des Akkordeonvereins Oberboihingen und der Musikschule Heidrun Harer. Damit treffen bei dem Projekt nicht nur verschiedene Vereine, sondern auch unterschiedliche Generationen aufeinander.
Gerade diese Mischung gehört zum Konzept: Junge ebenso wie lebensältere Spielerinnen und Spieler sollen gemeinsam zeigen, dass das Akkordeon ein Instrument für jedes Alter sein und Menschen ein Leben lang begleiten kann. Gleichzeitig soll ein stilistisch gemischtes Konzertprogramm die musikalische Bandbreite des Instruments hörbar machen.
Damit verbindet sich auch eine Hoffnung über die beiden Konzerttermine hinaus: Das Akkordeon soll insbesondere bei jungen Menschen wieder einen größeren Stellenwert erhalten. Seine Vielseitigkeit sichtbar zu machen, verstehen die Verantwortlichen deshalb nicht nur als Aufgabe für das Themenjahr 2026. „Es wäre schön, wenn die ‚Akkordeonszene‘ nicht nur im Jahr des Akkordeons Werbung für dieses tolle Instrument macht“, heißt es aus Oberboihingen.
Zu erleben ist das gemeinsame Projekt gleich zweimal: am 17. Oktober 2026 in Oberboihingen und am 5. Dezember 2026 in Deizisau.
Wenn das Akkordeon irisch klingt
Einen ganz anderen Zugang wählen die Harmonikafreunde Müllheim im Markgräflerland. Am 24. Oktober steht bei ihnen eine „Irische Nacht“ auf dem Programm. Das 1. Orchester mit 25 Aktiven bildet dabei den musikalischen Ausgangspunkt für einen Abend, der weit über ein klassisches Akkordeonkonzert hinausgeht.
Irischer Sound und die passende Atmosphäre sollen Musik und Rahmenprogramm miteinander verbinden. Neben dem Akkordeonorchester wirken unter anderem Solisten mit Gitarre und Geige, ein ortsansässiger Chor, eine irische Band und Dudelsackspieler mit. Rope Skipping und eine zur Musik passende irische Geschichte ergänzen das Programm. Auch kulinarisch wird das Motto mit irischen Speisen und Getränken aufgegriffen.
Ganz neu ist die Idee für die Harmonikafreunde nicht. Bereits vor mehreren Jahren hatte der Verein das Konzertformat erfolgreich auf die Bühne gebracht. Das Jahr des Akkordeons gab nun den Anstoß, die „Irische Nacht“ noch einmal aufleben zu lassen. Dass das Format beim Publikum ankam, zeigte sich schon nach der damaligen Aufführung: Unmittelbar danach wurde mehrfach der Wunsch nach einer Wiederholung geäußert.
Die Vorbereitungen für die Neuauflage laufen bereits seit dem Frühjahr. Dabei stemmen die Beteiligten das Projekt mit großem Engagement: Mit Ausnahme der irischen Band verzichten die Mitwirkenden auf eine Gage. Deren Kosten sollen über die Eintrittsgelder finanziert werden; mit einem finanziellen Gewinn rechnet der Verein nicht.
Für die Harmonikafreunde fügt sich das Projekt zugleich in eine Entwicklung ein, die der Verein bereits seit einigen Jahren verfolgt. Neben Kindern in Ausbildung konnten auch erwachsene Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger sowie Neuanfängerinnen und Neuanfänger gewonnen werden. Zugleich möchte der Verein mit seinen Aktivitäten ein anderes Bild des Akkordeons vermitteln. Das Publikum solle erleben, „dass das Akkordeon nicht nur Volksmusik hervorbringt“. Die „Irische Nacht“ bietet dafür eine passende Bühne: Sie zeigt das Instrument eingebettet in ein genreübergreifendes Gesamterlebnis – und damit eine weitere Facette dessen, was das Akkordeon im Jahr 2026 sein kann.
Zwei Projekte, ein vielseitiges Instrument
So unterschiedlich die beiden Projekte angelegt sind, nutzen beide das Jahr des Akkordeons, um die Vielfalt des Instruments zu zeigen. In Oberboihingen geschieht das mit einem gemeinsamen Großorchester, verschiedenen Generationen und einem stilistisch gemischten Programm, in Müllheim mit irischer Musik und zahlreichen weiteren Mitwirkenden. Und beide Vereine verbinden damit einen Blick über das Themenjahr hinaus: Die HSG Oberboihingen hofft auf einen größeren Stellenwert des Akkordeons insbesondere bei der Jugend, die Harmonikafreunde Müllheim möchten weiter zeigen, dass das Instrument weit mehr als Volksmusik zu bieten hat.
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