Zur Eröffnung begrüßte DHV-Präsident Niko Reith am Palmsonntag die 102 Teilnehmenden, die sich auf intensive Lehrgänge bei Lionel Chapuis, Silke D’Inka, Jakob Steinkellner, Daniel Franz und Hans-Günther Kölz und Wolfgang Ruß sowie auf ein vielfältiges Rahmenprogramm freuten.
Lehrgänge: intensive Probenarbeit und eindrucksvolle Abschlusspräsentationen
In den Lehrgängen von Lionel Chapuis, Silke D’Inka, Jakob Steinkellner, Daniel Franz sowie Hans-Günther Kölz und Wolfgang Ruß wurde intensiv gearbeitet – mit hörbarem Erfolg. Am Gründonnerstag präsentierten sich die Lehrgänge gegenseitig ihre Arbeitsergebnisse – eine beeindruckende Leistungsschau.
Im Lehrgang von Lionel Chapuis reichte das Repertoire vom „Balkan Dance“ des Motion Trio über Chapuis’ eigene Werke „Valse de Concert“ und „A Butterfly Shines On Me“ bis hin zu „Invierno Porteño“ und „Chiquilín de Bachín“ von Astor Piazzolla, Camille Saint-Saëns’ „Danse Macabre“ (Arrangement: Stefanie Hazenbiller) und Dave Brubecks „Blue Rondo à la Turk“ (Arrangement: Marc-Oliver Brehm). Die Präsentation einer Auswahl zeugte von stilistischer Bandbreite und klanglicher Präzision und wurde mit viel Applaus bedacht.
In zwei Proben wurde das Werk „A Butterfly Shines On Me“, das Chapuis 2025 zum 90-jährigen Jubiläum seines Club des Accordéonistes de la Ville de Bulle geschrieben hatte – in Erinnerung an seinen 2020 verstorbenen Bruder Stéphane Chapuis, sogar lehrgangsübergreifend gemeinsam mit Wolfgang Ruß an der E-Gitarre, Robin Schmidt am Flügel und Jonathan Kruspel am Schlagzeug erarbeitet.
Für den Ensemble-Lehrgang unter Daniel Franz überzeugten ein Sextett und ein Trio mit klassischem Repertoire und einer Milonga mit kammermusikalischer Differenzierung, während Jakob Steinkellner mit seinem Kurs zur Steirischen Harmonika Tradition und Moderne eindrucksvoll verband – mit zwei Duo-Auftritten mit dem Dozenten: einem volkstümlichen Walzer und eine eigene moderne Komposition – beides auswendig vorgetragen.
Im Dirigierkurs von Silke D’Inka dirigierten vier Teilnehmende Ausschnitte aus ganz unterschiedlichen Werken, darunter auch eine Anfängerin. Ein Teilnehmer überzeugte sogar mit auswendig dirigierten Passagen und besonders direktem Kontakt zum Orchester.
Ein klanggewaltiges Bild bot schließlich der Kurs 5 unter Leitung von Hans-Günther Kölz und Wolfgang Ruß im Saal E1. Mit rund 45 Mitwirkenden erklang zunächst Kölz’ „Prelude for Europa“, geschrieben für das World Music Festival 2025 in Innsbruck. Es folgten Ruß’ Arrangements: die Ballade „Summer Flowers“ von Matthias Anton – mit Kölz als Solist am Flügel – sowie „Very British“, ein unterhaltsames Medley bekannter Krimi-Titelmelodien von „Miss Marple“ bis „James Bond“.
Abendkonzerte: Vielfalt auf höchstem Niveau
Das Eröffnungskonzert gestaltete das Projektorchester AkkoNEO des DHV Rheinland-Pfalz. Zu hören war als Auftakt die Uraufführung „2026 – the Year of the Accordion“ von Ian Watson, die zum Abschluss auch als Zugabe wiederholt wurde. Ergänzt wurde das Programm durch Originalliteratur mit der „Ballade“ von Fritz Dobler und den „Dalmatinischen Tänzen“ von Adolf Götz sowie Arrangements von Stefanie Hazenbiller, darunter Manuel de Fallas „Feuertanz“, „Out of Africa“ und ein Medley aus „Drachenzähmen leicht gemacht“.
Der traditionelle Montagabend des Hohner-Konservatorium Trossingen bot wieder eine beeindruckende Leistungsschau. Das Gemeinschaftsorchester aus Seminarorchester und Hohner-Akkordeonorchester 1927 Trossingen e.V. unter Johannes Baumann präsentierten die Originalkomposition „The Legend of King Arthur“ von Ian Watson, „Asturias“ von Isaac Albéniz im virtuosen Arrangement von Johannes Grebencikov – absolut beeindruckend: Michael Ziegler als Solist – sowie die „Ouvertüre zu einer Operette“ von Paul Lincke.
In der zweiten Programmhälfte überzeugten zahlreiche Solistinnen und Solisten: Hlib Plakhotniuk mit Bach und Liszt/Paganini, Denys Litskan mit Zubitsky, Dima Sakovych auf der Mundharmonika mit Reilly, Martin Sigl mit Würthner, Anna Matschenko auf dem Keyboard mit „Axel F.“, Jonathan Kruspel mit „Check it up!“ von Wolfgang Russ und Juliana Kraus mit Scarlatti und Oleksiv. Auch großartige Kammermusik wurde geboten: Das Quartett Musica in Fiore mit dem „Dissonanzen-Quartett“ von Mozart, das Sextett Hexabellows mit „Adios Nonino“ von Piazzolla, das Trio Mixturo mit Anna Matschenko, Mundharmonika, sowie Sarah Gimbel und Jonathan Kruspel, Akkordeon, mit dem „Tango Mixturo“ von Kölz sowie das Duo Dima Sakovych, Mundharmonika, und Hlib Plakhotniuk, Akkordeon mit „Chiquilin de Bacchin“ von Piazzolla setzten eindrucksvolle Akzente.
Etwas ganz anderes war das Abschlusskonzert am Mittwochabend mit dem Trio Krainerlogie: Alexander Weisbecker, Fabian Plank und Dominik Focks begeisterten mit Virtuosität, Spielfreude und Humor. Das Programm reichte von der „Zick Zack Polka“ über „Vino Rosso“ von Günter Amann bis zu „Quickly Fingers“ von Herwig Peychär und mündete in einen traditionellen Schlusswalzer von Slavko Avsenik – mit Vorstellung der drei jungen Musiker. Alexander Weisbecker beeindruckte mit technischer Brillanz, ob auf der Hohner Gola, auf der Morino Slavko Avsenik oder einer Spezial-Morino mit verstärktem Bassteil, ob mit Melodie oder mit Oberkrainerbegleitung oder am Bass. Fabian Plank, überzeugte nicht nur am Kontrabass und als Meister der Steirischen Harmonika, sondern auch mit seiner prägnanten Stimme. Und Dominik Focks führte als „Spaßvogel“ charmant durch den Abend und setzte an der Gitarre die rhythmischen Akzente.
Party am letzten Abend in diversen Formationen
Ein besonderer Abend bei der Osterarbeitswoche ist immer der letzte am Mittwoch, bevor am Gründonnerstag die Veranstaltung mit dem Mittagessen endet. Im Foyer der Bundesakademie Trossingen ist dann Party angesagt. Klassisch beginnt ein Trio mit Hans-Günther Kölz am Flügel und Wolfgang Russ am E-Bass, seit dem letzten Jahr auch mit Ulrich Kruspel am Schlagzeug, mit Jazz-Standards. Außerdem trägt eine Gruppe aus dem Kurs Steirische Harmonika mit Jakob Steinkellner zum Musikprogramm bei. Dieses Mal mischte sich das in diversen Formationen – das Trio Krainerlogie war nach seinem Konzert mittendrin, außerdem kamen noch Jonathan Kruspel am Schlagzeug, Eric Dann mit der Melodica und Daniel Franz mit dem Akkordeon sowie Franz Kitzke, Percussion, und weitere Akteure dazu. Eine bunte Musikmischung und beeste Stimmung.
Workshops: Aktuelle Themen und neue Perspektiven
Die Workshops setzten wichtige Impulse für die Vereins- und Nachwuchsarbeit: Lorenz Overbeck referierte über Handlungssicherheit bei extremistischen Tendenzen, Benjamin Volz gab praxisnahe Tipps zur Social-Media-Arbeit, und Sabine Kölz stellte das Kinderschutzkonzept des Deutschen Harmonika-Verbands vor – als Basis für Kinderschutzkonzepte der Vereine. Marianne Baldauf zeigte Chancen des Gruppenunterrichts im Kontext des Ganztagsförderungsgesetzes auf und empfahl die Melodica als ideales Einstiegsinstrument.
Harmonikamuseum und Ausstellungen
Ein weiterer Höhepunkt war die Abendführung im Deutschen Harmonikamuseum, die mit ihrer einzigartigen Sammlung die Geschichte der Harmonika-Instrumente lebendig werden ließ.
Im Foyer der Akademie präsentierten Notenwunderland und Jetelina Akkordeonmusik sowie die Amusiko Musikverlage – vertreten durch Bernd Glück bzw. Stefanie und Tobias Dalhof – große Notenausstellungen. Hohner Music war mit aktuellen Instrumenten vertreten – unter anderem einem Schülerakkordeon VariaOne für den MIII-Unterricht, während das Hohner Service-Team um Ralf Tritschler vor Ort technische Unterstützung an Instrumenten aller Hersteller bot.
Fazit: Ein lebendiger Ort der Begegnung
Die Osterarbeitswoche 2026 hat erneut gezeigt: Sie ist weit mehr als eine Fortbildung. Sie ist ein lebendiger Ort der Begegnung, an dem musikalische Qualität, gemeinsames Erleben, Engagement und Begeisterung aufeinandertreffen – und an dem die Faszination des Akkordeons in all ihren Facetten spürbar wird.
Anzeige





