Besonderes Augenmerk galt dem abwechslungsreichen Bühnenprogramm vor dem Alten Rathaus. Nach den Auftritten der Kindertagesstätten eröffnete Bürgermeister Ralph Manzke offiziell das Stadtfest. Anschließend zeigten die Sportschule Aslan Wesseling mit einer Taekwondo-Vorführung sowie die Tänzerinnen und Tanzgruppen des Tanzwerk Wesseling, des Namalia Studios und des Jamaa Dance Studios ihr Können, bevor Musikformationen aus Wesseling und der Region die Bühne übernahmen.
Zu den musikalischen Höhepunkten gehörte der Auftritt der AkkoFans, einer Formation des Akkordeon-Orchesters Wesseling. Das Ensemble, in dem erwachsene Akkordeonschülerinnen und -schüler, ehemalige Workshop-Teilnehmende und Wiedereinsteiger gemeinsam musizieren, zeigte eindrucksvoll, wie vielseitig das Akkordeon heute klingt. Passend dazu wurde das Instrument von den Landesmusikräten zum „Instrument des Jahres 2026“ gewählt.
Unter der Leitung von Anita Brandtstäter präsentierten die AkkoFans ein ebenso abwechslungsreiches wie unterhaltsames Programm. Zu hören waren der „Lieblings-Walzer“ von Stephan Müller, die humorvolle „Comedy-Suite“ von Helmut Quakernack, der Musette „Fleur de Paris“ von Jürgen Schmieder, Scott Joplins „Peacherine Rag“, der rockige Titel „Power Kids“ von Bernd Glück sowie die schwungvolle Beatpolka „Gut aufgelegt“ von Rainer Essig. Insbesondere Originalkompositionen für Akkordeonorchester bildeten ein Programm, das die enorme stilistische Bandbreite des Akkordeons eindrucksvoll unter Beweis stellte und vom Publikum mit viel Beifall aufgenommen wurde.Mit ihrem Auftritt machten die AkkoFans zugleich deutlich, worauf es in ihrem Ensemble ankommt: gemeinsames Musizieren, gegenseitiges Zuhören und das Miteinander unterschiedlicher Generationen.
Nach einer Trommeleinlage von RheinSamba übernahm zum Abschluss des Tages John B finest die Bühne: Die Gruppe um den Gitarristen, Songschreiber und Sänger Hans – John – Bülow ist seit dem Jahre 2008 unterwegs. Die Band spielt hauptsächlich Songs von Eric Clapton und hält auch die eigenen Songs im Stil dieses einzigartigen Gitarristen: „Clapton ist einer der Größten in diesem Genre, sein Gitarrenspiel ist virtuos und unverwechselbar“ – so der Bandleader.
Auch abseits der Bühne zeigte sich die kulturelle Vielfalt Wesselings. Auf Ruttmanns Wiese präsentierten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler im Rahmen der 31. Wessinale Skulpturen, Malerei, Fotografie, Schmuck und Keramik und knüpften damit an eine über drei Jahrzehnte währende Tradition an. Auf der Karnevalsmeile stellten sich zahlreiche Karnevalsgesellschaften und Tanzcorps vor und unterstrichen die große Bedeutung des Brauchtums für das gesellschaftliche Leben der Stadt.
Dass Kultur in Wesseling einen hohen Stellenwert genießt, war bereits am Vorabend des Stadtfestes beim Jahresempfang von Bürgermeister Ralph Manzke an der Freitreppe des Rheinforums deutlich geworden. Der Empfang stand ganz im Zeichen des Jubiläums „50 Jahre Selbstständigkeit“, Festredner war Innenminister Herbert Reul. Musikalisch eröffnet wurde die Veranstaltung vom Quintett der Musikfreunde Urfeld. Im Mittelpunkt des Empfangs standen neben den Ehrungen ehemaliger Ratsmitglieder die Auszeichnungen für herausragendes kulturelles und sportliches Engagement.
Mit der Kulturplakette der Stadt Wesseling wurde die Künstlerin Margot Keila ausgezeichnet. Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand arbeitet sie als freischaffende Malerin und hat ihre Werke in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Als Erste Vorsitzende des Kunstvereins Wesseling prägt sie seit mehr als zehn Jahren das kulturelle Leben der Stadt maßgeblich. Unter ihrer Leitung organisiert der Verein Ausstellungen in der Galerie Schwingeler Hof, Lesungen, Vorträge, Museumsfahrten und Kunstreisen. Gemeinsam mit der Stadt wird außerdem regelmäßig der Kunstpreis vergeben. Seit 2025 begleitet Margot Keila zudem als Kuratorin Ausstellungen in Mines Spatzentreff.
Der Ehrenpreis „Wesselinger Kulturverein des Jahres“ ging an die Köln-Bonner Eisenbahn-Freunde e.V. Vorsitzender Dirk Collin und Ehrenvorsitzender Jean Riemann nahmen die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. Seit der Vereinsgründung im Jahr 1982 setzen sich die Eisenbahnfreunde für die Bewahrung der Geschichte der Köln-Bonner Eisenbahnen ein, deren Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Region kaum zu überschätzen ist. Mit der Eröffnung des neuen Eisenbahnmuseums in der ehemaligen Güterabfertigung der KBE ist ein weiterer kultureller Anziehungspunkt in Wesseling entstanden, der die Industriegeschichte der Stadt anschaulich vermittelt.
Das Jubiläumsjahr bietet noch einen weiteren Höhepunkt: Im Neuen Rathaus erinnert die Ausstellung „Wesseling: 50 Jahre selbstständig“ an die bewegten Ereignisse des Jahres 1976. Auf 14 reich bebilderten Tafeln zeichnet das Stadtarchiv den erfolgreichen Kampf der Wesselingerinnen und Wesselinger um ihre Selbstständigkeit nach. Historische Dokumente, Fotografien und zeitgenössische Exponate lassen ein bedeutendes Kapitel der Stadtgeschichte lebendig werden. Ergänzend ermöglichen QR-Codes den digitalen Zugriff auf weiterführende Informationen sowie eine Vorlesefunktion. Die Ausstellung ist noch bis zum 23. Oktober während der Öffnungszeiten des Neuen Rathauses bei freiem Eintritt zu sehen.
Wesseling lebt von seiner Geschichte – und vor allem von seinen engagierten Menschen, die Kultur, Gemeinschaft und Ehrenamt Tag für Tag mit Leben erfüllen.
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