Das Akkordeon ist Instrument des Jahres 2026 – und wird in ganz unterschiedlichen Kontexten neu erlebbar gemacht. Zwei Projekte aus Baden-Württemberg und Brandenburg zeigen exemplarisch, wie vielseitig das Instrument eingesetzt werden kann: einmal im musikpädagogischen und szenischen Bereich, einmal als groß angelegtes Konzertprojekt mit Uraufführung.
Musiktheater und Nachwuchsarbeit in Furtwangen und Lauterbach
Mit dem Kindermusical „Ritter Rost auf großer Fahrt“ hat die Jugend des SHO Furtwangen ein Kooperationsprojekt mit der Friedrichschule Furtwangen sowie der Grundschule Lauterbach realisiert. Die Aufführungen fanden Anfang März in Furtwangen und Mitte März in Lauterbach statt.
Acht Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 16 Jahren übernahmen die Solorollen. Begleitet wurden sie von einem Akkordeon-Ensemble aus neun Spielerinnen und Spielern des ersten Orchesters. Die musikalische Grundlage des Musicals wurde eigens für diese Besetzung arrangiert. Ergänzt wurde das Projekt durch die Chöre der beteiligten Grundschulen, in denen Kinder der dritten und vierten Klassen mitsangen.
Die Idee entstand aus einem vereinsinternen Impuls: Beim Nikolausvorspiel hatten die Kinder und Jugendlichen große Freude an einem kleinen Theaterstück entwickelt. Im Jahr des Akkordeons sollte dieses Erlebnis weitergeführt und gleichzeitig das Instrument in einem neuen Kontext präsentiert werden – bewusst abseits seiner häufigen Wahrnehmung als reines Volksmusikinstrument.
Das Projekt richtete sich insbesondere an Familien mit Kindern. Durch ein Sponsoring der Sparkasse Schwarzwald-Baar konnten beide Aufführungen ohne Eintritt angeboten werden. Im Anschluss an die Aufführungen bestand für das Publikum zudem die Möglichkeit, das Akkordeon selbst auszuprobieren.
Die Vorbereitung begann bereits im Sommer 2025 mit den Arrangements, die Proben starteten im November. Eine Herausforderung lag vor allem in der Koordination der Probenzeiten sowie in der Suche nach einem passenden Schulchor, der erst Ende Oktober gefunden werden konnte. Trotz dieser organisatorischen Hürden berichten die Beteiligten von großer Motivation und positiver Entwicklung: Die Kinder und Jugendlichen seien im Verlauf des Projekts als Gruppe enger zusammengewachsen.
Uraufführung und Kooperation im Orchesterbereich
Einen anderen Schwerpunkt setzt das Projekt „Across & Beyond“, ein Auftragswerk des Landesmusikrats Brandenburg. Komponiert von Leon Jonas Thieme, wird das Werk vom LandesJugendAkkordeonOrchester Brandenburg in Kooperation mit dem Landes-Akkordeon-Ensemble Sachsen-Anhalt erarbeitet.
Die Uraufführungen sind für den 5. September 2026 in Halle (Saale) und den 7. November 2026 in Potsdam geplant. Mit rund 50 Musikerinnen und Musikern entsteht dabei eine groß besetzte Orchesterformation.
Das Werk versteht sich als künstlerischer Beitrag zum Instrument des Jahres und verfolgt das Ziel, über bekannte Klangvorstellungen des Akkordeons hinauszugehen. Die Komposition wurde zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 erarbeitet und wird im Laufe des Jahres intensiv geprobt. Sie ist als rhapsodisches Stück angelegt, das mit wiederkehrenden Motiven arbeitet und diese in unterschiedlichen klanglichen Zusammenhängen weiterentwickelt. Dabei kommen vielfältige musikalische Farben und Texturen zum Einsatz, auch jenseits des gewohnten harmonischen Rahmens.
Das Akkordeon steht im Zentrum des musikalischen Geschehens – sowohl im orchestralen Gesamtklang als auch in solistischen und kammermusikalischen Passagen. Die Kooperation der beiden Auswahlorchester entstand über persönliche Kontakte und erhält zusätzliche Bedeutung, da das Ensemble aus Sachsen-Anhalt im Jahr 2026 sein 30-jähriges Bestehen feiert.
Finanziert wurde das Projekt durch den Landesmusikrat Brandenburg. Bereits vor Beginn der Proben wird das Werk von den Mitwirkenden als künstlerischer Höhepunkt des Konzertjahres wahrgenommen. Perspektivisch ist vorgesehen, die Noten ab 2027 auch anderen Orchestern zugänglich zu machen, um eine weitere Verbreitung zu ermöglichen.
Zum Abschluss richtet der Komponist und künstlerische Leiter einen ausdrücklichen Dank an den Landesmusikrat Brandenburg für die Unterstützung des Projekts sowie an alle Spielerinnen und Spieler der beteiligten Orchester.
Vielfalt als Chance
Beide Projekte zeigen unterschiedliche Zugänge zum Instrument des Jahres: Während in Furtwangen und Lauterbach die Verbindung von Musik, Theater und Nachwuchsarbeit im Vordergrund steht, setzt das Projekt in Brandenburg auf neue Impulse im Repertoire und auf überregionale Zusammenarbeit. Gemeinsam ist beiden Ansätzen das Ziel, das Akkordeon in seiner ganzen Bandbreite sichtbar und erlebbar zu machen.
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