Mit spürbarer Begeisterung präsentierte das Projektorchester zwei Originalkompositionen. Stephan Müllers Suite „Einmal um die Welt“ führte das Publikum durch drei völlig verschiedene Stimmungen: die sanft groovende Jazz-Ballade „Segeltörn“, den temperamentvollen Reel „Irish“ im flotten Alla-breve-Takt und den lässigen „Just Use Blues“ im swingenden Triolen-Feeling.Bernd Glücks energiegeladener Rock „Power Kids“ brachte dann nicht nur die Spielerinnen und Spieler, sondern auch den Saal zum Strahlen.
Dass Workshops manchmal der Beginn neuer Wege sind, zeigte das Ensemble AkkoFans. Einige Teilnehmende wollten nach dem ersten Workshop 2018 mehr – und seitdem gibt es regelmäßig dienstags Proben. Ihr Auftritt war ein echtes stilistisches Vergnügen: Die ursprünglich für Streichorchester komponierte Suite „Blues Ballad & Boogie“ von Peter Martin spielten sie mit hohem musikalischen Gespür – entsprechend der unterschiedlichen Charaktere der Musik. Der „Peacherine Rag“ von Scott Joplin, frisch arrangiert von Martina Kluge und mit einem ausgedehnten Swing-Teil versehen, begeisterte das Publikum und wurde mit kräftigem Applaus belohnt.
Die Umbaupause nutzte Monika Engels-Welter, 1. stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Wesseling, für ein herzliches Grußwort. Sie gratulierte dem Verein im Namen der Bürgerinnen und Bürger und betonte: „Das Akkordeonorchester ist aus dem kulturellen Leben unserer Stadt nicht wegzudenken.“ Besonderen Dank sprach sie für die traditionellen Rheinparkkonzerte aus, die bereits 1966 vom damaligen Jugendorchester initiiert wurden, und erinnerte an den Gründungsdirigenten Gottfried Weber. Auch Anita Brandtstäter würdigte sie – seit 2008 musikalische Leiterin und über 37 Jahre Vorsitzende – für ihr außergewöhnliches Engagement: „Du hast die Gemeinschaft ganz besonders geprägt.“
Der erste große Konzertblock des Orchesters begann schwungvoll mit dem „Fliegermarsch“ aus der Operette „Der fliegende Rittmeister“. Passend dazu stieg symbolträchtig ein Ballon mit einer 60 in die Höhe. Das Stimmungsbild „Ein Morgen in den Bergen“ von Rudolf Würthner bezauberte anschließend mit seiner klaren, fast meditativ wirkenden Atmosphäre, der reichen Harmonik und einem feierlichen Choral im Mittelteil. Zum 200. Geburtstag von Johann Strauß erklang ein modernes Medley, arrangiert von Josef Retter, voller Schwung und Eleganz. Mit den „Gershwin Classics“ führte das Orchester das Publikum dann in die Welt von Jazz und Broadway: „Strike up the Band“, „Summertime“ und die legendäre „Rhapsody in Blue“ sorgten für Gänsehaut.
Nach der Pause startete die zweite Programmhälfte mit dem rockigen Medley „Back to the Sixties“ von Wolfgang Ruß. Sängerin Irene Lorenz brachte die Songs mit Charme und Bühnenpräsenz zum Funkeln. Ein absolutes Highlight war der Tangoblock – dreimal „Tango nuevo“, dreimal völlig anders. Irene Lorenz, im roten Kleid, interpretierte das Auftrittslied der Maria aus Astor Piazzollas Oper „Maria de Buenos Aires“ temperamentvoll und leidenschaftlich. Als berührender Gegenpol folgte Anita Brandtstäters lyrisches Bandoneon-Solo „Oblivion“ auf ihrer Hohner Gola im Zusammenspiel mit dem Orchester – ein Moment voll stiller Intensität. Den Abschluss bildete der mitreißende „Rojo Tango“ von Pablo Ziegler im anspruchsvollen Arrangement von Hans-Günther Kölz, in dem Irene Lorenz zusätzlich die Flötenstimme übernahm – ein zugleich rhythmischer wie lyrischer Höhepunkt.
Weitere Publikumslieblinge aus sechs Jahrzehnten Orchestergeschichte rundeten das Programm ab: „Memory“ aus dem Musical Cats – von Elke Albrecht mit einem Hinweis auf T. S. Eliot literarisch eingeführt – passte in seiner melancholischen Schönheit perfekt zur Jubiläumsstimmung. Ein Musette musste natürlich sein: „Sous les Ponts de Paris“ erklang schwungvoll und leicht, im von Heinz Ehme arrangierten Akkordeon-Bigband-Sound. Zum Finale betrat Irene Lorenz – jetzt im grünen Glitzer-Oberteil – noch einmal die Bühne: Die „Heinz Gietz Melodien“ von Renato Bui, darunter „Musik liegt in der Luft“, „Tipitiptiso“, „Dich werd’ ich nie vergessen“ und „Pigalle“, sorgten für nostalgischen Charme und große Begeisterung. Mit „Thank You For The Music“, dem weltbekannten ABBA-Hit aus dem Jahr 1994, setzte das Orchester mit ihrer professionellen Sängerin schließlich ein „musikalisches Resümee seiner 60-jährigen Geschichte“ – treffend moderiert von Anita Brandtstäter.
Der lang anhaltende Applaus und die Standing Ovations sprachen für sich. Als Dank spielte das Orchester zwei Zugaben: Bei „Rock around the Clock“ ging es noch einmal temperamentvoll zur Sache, bevor „Danke schön“ von Bert Kaempfert den Abend beschwingt ausklingen ließ – ein runder Abschluss eines großartigen Jubiläumskonzerts.
Anzeige





