Los ging es in Italien: mit dem kleinen Marsch „Scampolo„, den der bekannte Salon-, Schlager- und Filmkomponist Gerhard Winkler 1938 geschrieben hat. Weiter ging es mit dem Zug: „Intercity“ war eine Auftragskomposition der Deutschen Bahn, die Adolf Götz für Akkordeonorchester zum Jubiläum „150 Jahre Deutsche Eisenbahnen“ 1985 geschrieben hat. In diesem Jahr war nämlich auch die erste offizielle Demonstrationsfahrt des ICE. Rhythmische Impressionen charakterisieren die Fahrt mit hoher Geschwindigkeit, aber auch viel Komfort. Und noch eine Originalkomposition von Adolf Götz war im Programm: Die fröhliche Polka „Frische Brise“ erinnert an den Urlaub an Nord- oder Ostsee.
Für das Kurkonzert hatten die Musikerinnen und Musiker viele bekannte Klassiker der Akkordeonorchester-Literatur vorbereitet: „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ war 1965 der Titel eines Romans von Eric Malpass – auch wer diesen oder die Verfilmung von 1968 nicht kennt, den Hit von James Last daraus kann jeder mitsummen. Latein-amerikanische Melodien gab es im Medley „Brasilia“ von Willi Münch mit den Titeln „Brasil“, „El Cumbanchero“ und „Mambo Jambo“ sowie beim Spanischen Marsch „Malaga“ von Josef Rixner aus den 1930er Jahren.
Die 20 Akkordeonistinnen und Akkordeonisten präsentierten in ausgewogener Stimmenbesetzung – mit Bass und zwei Electronien, aber ohne Schlagzeug – außerdem Pop-/Jazz- und Latin-Nummern. Aus den 1970er Jahren stammt das Medley „Gilbert O’Sullivan in Concert“ von Wolfgang Ruß, in dem Konzertmeistern Elke Hoffmann Kittel souverän den Solo-Part spielte. 2010 landete die niederländische Sängerin Caro Emerald mit „A Night Like This“ eine großen Hit im Retro-Stil. Und im „Samba-Cocktail Nr. 2“ hat Wolfgang Ruß die beiden Titel „I Could Have Danced All Night“ aus dem Musical „My Fair Lady“ und „Amor, Amor, Amor“ modern für Akkordeonorchester arrangiert. Alles wurde rhythmisch exakt und musikalisch differenziert ‚rübergebracht.
In diesem Jahr feiert der Akkordeonverein sein 75jähriges Bestehen. Und fast 20 Jahre steht Carlo Plaum vor dem Orchester. Er ist nicht nur der musikalische Leiter, er komponiert und arrangiert auch für sein Orchester. Immer wieder gerne spielen die Mitglieder seine „Akkordeon-Ballade“. Und dieses Mal erklang auch eine ganz neue Jubiläumskomposition, die gerade ihre Weltpremiere beim Kirchenkonzert am 13. Juli in Vicht in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist erlebte: der Paso Doble „Viva la Musica“. Und seine Arrangements von Cliff Richards Hit „Congratulations“, der beim Eurovision Song Contest 1968 in London nur knapp den 2. Platz belegte, und von der „Barcarole“ von Tillo Schlunck, die an eine Gondelfahrt in Vendig erinnert, rundeten das Programm ab.
Elmar Rißmayer lud zum Abschluss alle zum Jubiläumskonzert ein am 15. November in Stolberg im Zinkhütter Hof, und zwar in der Ofenhalle des Museums für Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Aachener Reviers. Er dankte für die Organisation der Gesellschaft für Wirtschaft, Tourismus und Veranstaltungen mbH Schleiden. Und als Zugabe erklang noch eine weitere Doppel-Nummer von Wolfgang Russ im Samba-Rhythmus mit den Hits „For once in my live“ von Stevie Wonder und „I go to Rio“ von Peter Allen aus den 1960er bzw. 1970er Jahren. So konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer beschwingt nach Hause gehen – nach gut 70 Minuten unterhaltsamer Musik, die auch die Sonne wieder hervorgezaubert hat.